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Gestüt Schierensee Achal-Tekkiner Vollblut Zucht |
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| SPORT |
| Das Achal Tekkiner Vollblut ist seiner Zuchtgeschichte nach ein Rennpferd. Während Jahrzehnten erfolgte die Zuchtauswahl der Achal Tekkiner in ihrer ursprünglichen Heimat Turkmenistan und der damaligen Sowjetunion nach ihrer Rennleistung über kurze und mittlere Distanzen. Umso erstaunlicher ist deshalb die Tatsache, dass der grösste sportliche Erfolg eines Achal Tekkiners ausgerechnet in der Sparte Dressur die Welt verblüffte. Denn keine der klassischen Pferdesportarten ist wohl weiter entfernt vom Rennsport als die Dressur. Und dennoch: 1960 wurde der damals erst acht Jahre alte Achal Tekkiner Hengst Absent unter seinem Reiter Sergej Filatov Dressur-Olympiasieger an den 17. Spielen in Rom. Und dies mit der bis damals nie erreichten Wertnote von 84,2%. INTERVIEW mit Dr. Elena Petushkova EVENTING (Vielseitigkeit) | Der schwarze Hengst Absent eroberte sich mit seinem unglaublichen Bewegungspotential und charismatischen Ausdruck die Herzen der westlichen Dressurwelt quasi aus dem Nichts. Nie zuvor war ein Reiter oder Pferd aus der Sowjetunion auf internationalem Parkett so erfolgreich.![]() Sergej Filatov mit Absent, Rom 1960 Rom 1960: das war auch die Zeit des Höhepunkts des Kalten Kriegs. Die meisten Dressurreiter waren damals noch männlich, und starteten oft als Offiziere ihrer jeweiligen Nationen. So auch die wesentlichen Gegenspieler von Absent/Filatov: der Deutsche Josef Neckermann und der Schweizer Gustav Fischer. Aber der ausdrucksstarke Absent stellte sämtliche westlichen Pferde in den Schatten. Und Rom 1960 blieb keine Eintagsfliege. Es folgten mehrere Erfolge an westeuropäischen Turnieren, und insbesondere die zwei Bronzemedaillen (Einzel und Team) in Dressur an den Olympischen Spielen in Tokyo 1964 und die Silbermedaille in Mexiko 1968. Damit war Absent das bislang einzige Pferd, das an drei olympischen Spielen eine Medaille gewann. Entsprechend wurde der Hengst von westlichen Pferdejournalisten 1968 zum "Sportpferd des Jahrhunderts" gewählt. ![]() Ivan Kalita mit Absent, Mexiko 1968 Dies scheint für Viele heute lange her, quasi aus einer "anderen" Zeit. Jenen Dressurreitern und Pferdefreunden aber, welche Absent noch lebend gesehen haben, bleibt er in unlöschbarer Erinnerung. Die Pferdezucht in der damaligen Sowjetunion wusste diesen unglaublichen Erfolg allerdings nicht nachhaltig weiterzuentwickeln. Zwar wurde Absent nach Abschluss seiner Sportkarriere in der Zucht eingesetzt. Aber daraus entstand gemäss dem Selbstverständnis der Achal Tekkiner Zucht nie eine spezialisierte Dressurrichtung. | Tragisch ist in diesem Zusammenhang insbesondere auch das Schicksal des Hengstes Abakan, eines der erfolgversprechendsten Söhne Absents. Abakan wurde von Elena Petushkova, der ersten weiblichen Weltmeisterin (Doppelgold in Dressur Einzel und Team an WM in Aachen 1970), während vier Jahren als Nachfolgepferd ihres Trakehner-Hengstes Pepel ausgebildet und auf die olympischen Spiele von 1980 in Moskau vorbereitet. Doch nur gerade sechs Wochen vor Beginn der Spiele ist Abakan aufgrund eines tragischen Unglücks jung eingegangen. Nach dem Tod von Abakan blieb Petushkova während mehrerer Jahre ohne vergleichbares Pferd. Seit den Erfolgen von Filatov und Petushkova und den weiteren zwei Dressur-Medaillen an den olympischen Spielen 1980 in Moskau (von vielen westlichen Ländern boykottiert wegen des Afghanistan-Engagements der Sowjetunion, sic!) spielen russische Reiter und Pferde auf internationaler Ebene keine wesentliche Rolle mehr. Dagegen hat die Pferdezucht in Westeuropa, insbesondere im Pferdehochland Deutschland, gezielte und kommerz-getriebene Fortschritte erreicht. Die während der letzten 40 Jahre entstandenen spezialisierten Dressur- und Springpferdelinien in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich dominieren heute die klassischen Pferdesportdisziplinen. Dem hatte die russische Achal Tekkiner Zucht nichts entgegenzusetzen. Nicht Gen-mässig, sondern finanziell und mentalitätsmässig. ![]() Absent. Der "Schwarze Schwan" starb mit 23 Jahren am 2. Februar 1975 Wer heute über Sportpferde spricht, denkt an Hannoveraner, Oldenburger oder Holländer Dressurpferde, an Selle Français oder Holsteiner Springpferde oder an irländische Eventer, alle mehr oder weniger veredelt mit englischem Vollblut, oder dann an Araber Distanzpferde. Achal Tekkiner Blut wurde in diesen Zuchten so gut wie nicht eingesetzt. Die Achal Tekkiner blieben eine russische und turkmenische Rarität, blieben Exoten, ungeachtet des durchschlagenden Erfolges von Absent auf der Weltbühne. Selbst in der traditionell von Osteuropa beeinflussten Trakehner Zucht, welche historisch und genetisch auch nachweislich stark vom Einfluss von Achal Tekkiner Hengsten geprägt ist, sind seit einiger Zeit Achal Tekkiner nicht mehr zur Einkreuzung zugelassen. Für die meisten heutigen Achal Tekkiner Züchter, speziell in Westeuropa und den USA, ist Absent damit mehr zu einer Hypothek denn einer Referenz geworden. Denn die heute im "Westen" anzutreffenden Achal Tekkiner weisen zumeist auch nicht einmal ansatzweise die Bewegungsqualitäten Absents auf. Viele hiesigen Züchter und Besitzer gehen deshalb den Weg des geringsten Widerstands und versuchen, den Achal Tekkiner aufgrund seiner unzweifelhaften Robustheit und Ausdauerkraft vorwiegend als "Distanzpferd" zu vermarkten. | Dabei zeigt gerade das Beispiel des Dressurkönigs Absent das breite Potential dieser Rasse: Sein Vater war der Schimmel und Linienbegründer Arab. Dieser hatte nicht nur als erst fünf-jähriger am legendären Distanzritt über 3600 Kilometer vom turkmenischen Aschchabad nach Moskau teilgenommen, in nur Tagen, durch grossenteils unwegsames Wüstengebiet. Nein, dieser selbe Arab erzielte in Moskau 1946 auch den damaligen Hochsprungrekord über 2,19 Meter. Und Absent selbst ging in seinen jungen Jahren, wie fast alle Achal Tekkiner in der Sowjetunion, auch auf der Rennbahn und sprang problemlos Hindernisse von 1,70 Meter. Das "Verhängnis" dieser ausserordentlichen Pferderasse liegt unseres Erachtens gerade in ihrer potentiellen Vielseitigkeit, welche nie gezielt auf die heutigen Anforderungen im Pferdesport hin weiter entwickelt wurde. Hans-Jürg Buss |